Eine Freundin, ein Kollege oder die Tante schreibt: Magst du kurz für ein Mädchen abstimmen, das einen Tanzkurs gewinnen kann? Der Link führt auf eine Abstimmungsseite, die deine Handynummer und danach einen Code verlangt. Wer mitmacht, verknüpft das eigene WhatsApp-Konto mit dem Gerät der Täter. Die Polizeiliche Kriminalprävention warnte am 17. September 2026 vor der Masche, Watchlist Internet einen Tag vorher.
So läuft die Masche ab
Die Täter nutzen die Verknüpfung weiterer Geräte, die WhatsApp etwa für WhatsApp Web am Computer anbietet. Über die Abstimmungsseite bringen sie dich dazu, ihr Gerät freizugeben. Watchlist Internet und die Polizei beschreiben den Ablauf so:
- Die Nachricht.
Von einem gekaperten Konto geht eine Bitte an alle Kontakte. Watchlist Internet zitiert den Anfang: „Hi! Magst du kurz für die Eliska stimmen?“ Weiter heißt es, das Mädchen sei die Tochter einer Freundin und könne einen Gratis-Tanzkurs gewinnen.
- Die Abstimmungsseite.
Der Link führt auf eine Seite mit zwei jungen Tänzerinnen zur Auswahl. Laut Watchlist gibt sie eine echte Ballettschule in Prag als Veranstalter an, die mit der Falle nichts zu tun hat.
- Die Handynummer.
Wer abstimmen will, soll seine Telefonnummer eingeben. Laut Polizei löst die Eingabe im Hintergrund die Geräteverknüpfung aus.
- Der Code oder QR-Code.
Die Polizei beschreibt einen Code, der in deiner App erscheint und den du auf der Seite eingeben sollst. Watchlist Internet sah einen achtstelligen Code mit Anleitung zur Verknüpfung und alternativ einen QR-Code. Angeblich soll das Mehrfachabstimmungen verhindern.
- Die Übernahme.
Ist das Gerät der Täter gekoppelt, schreibt es in deinem Namen weiter: neue Abstimmungsbitten an deine Kontakte und Bitten um Geld.
Die ProPK fasst die Folge so zusammen: „Von da an können die Kriminellen Ihre Chats mitlesen und Nachrichten in Ihrem Namen versenden“. Watchlist Internet schreibt, die Falle sei vor etwa einem Jahr schon einmal im Umlauf gewesen und werde jetzt verstärkt ausgespielt, mit wechselnden Kindernamen und Schulen.Hast du nur den Link angetippt und nichts eingegeben, ist nach der Beschreibung der Polizei nichts gekoppelt, denn die Verknüpfung entsteht erst mit dem Code. Schließ die Seite und sag dem Kontakt über einen anderen Weg Bescheid.
Warum die Nachricht so glaubwürdig wirkt
Sie kommt von der Nummer eines Menschen, den du kennst. Watchlist Internet weist darauf hin, dass das technisch stimmt: Die Täter nutzen dessen übernommenes Konto. Profilbild, Name und der bisherige Chatverlauf sind echt. Die Bitte ist klein und freundlich, und einem Kind bei einem Wettbewerb zu helfen, schlagen wenige ab.
Die Polizei schreibt dazu, im stressigen Alltag reiche ein unachtsamer Moment, um einen Link anzuklicken, den man sonst sofort als schädlich erkannt hätte. Wer den Link angetippt hat, wollte einer Bekannten einen Gefallen tun.
Woran du die Fake-Abstimmung erkennst
Das deutlichste Zeichen ist die Bitte um einen Code oder um das Scannen eines QR-Codes. Eine Abstimmung braucht keinen Zugang zu deinem Messenger. Watchlist Internet nennt weitere Merkmale:
- Verknüpfung als Bedingung. Kein ernst gemeinter Wettbewerb macht die Kopplung mit WhatsApp zur Voraussetzung für eine Stimme.
- Frische Domain. Die Domain der Seite war laut Watchlist zwei Tage vor deren Warnung registriert worden.
- KI-Bilder. Die Tänzerinnen sind in der aktuellen Welle KI-generiert. In der Vorjahresvariante kamen laut Watchlist noch echte Fotos zum Einsatz.
- Tote Links. Verweise auf der Abstimmungsseite führen ins Leere.
Das Alter einer Domain kannst du selbst nachsehen, ohne die Seite zu öffnen: Gib die Adresse in die Shop-Prüfung ein. Die Prüfung ist für Online-Shops gebaut, zeigt aber auch bei einer Abstimmungsseite, seit wann die Domain existiert und ob sie auf einer Warnliste steht.Eine Domain, die erst wenige Tage alt ist, passt nicht zu einem Wettbewerb einer Schule mit Geschichte. Was hinter solchen Seiten technisch steckt, erklärt das Glossar unter Phishing.
Code eingegeben: was du jetzt tust
Melde zuerst fremde Geräte ab, dann sicherst du das Konto und warnst deine Kontakte. Die Schritte stammen aus den Warnungen der Polizei und der Verbraucherzentralen:
- Verknüpfte Geräte prüfen.
Die Verbraucherzentralen beschreiben den Weg so: Auf dem iPhone tippst du auf Einstellungen oder dein Profilbild, auf Android auf die drei Punkte, und dann auf „Verknüpfte Geräte“. Tipp jedes Gerät an, das du nicht kennst, und dann auf „Abmelden“.
- Verifizierung in zwei Schritten einschalten.
Die Polizei rät dazu. Laut BSI findest du die Funktion unter Einstellungen, Konto, „Verifizierung in zwei Schritten“. Dort wählst du eine Methode zur Absicherung aus und richtest sie ein.
- Kontakte warnen.
Die Polizei rät, deine Kontakte über einen anderen Kanal zu informieren, etwa per Anruf oder SMS, dass Nachrichten aus deinem Konto nicht von dir stammen könnten.
- Beweise sichern.
Mach Screenshots von der Abstimmungsnachricht, der Seite und den Nachrichten, die in deinem Namen verschickt wurden. Wie du sie sicherst, steht unter Beweissicherung.
- Anzeige erstatten.
Dazu rät die Watchlist Internet. Die Online-Wache deines Bundeslands findest du unter Meldestellen.
Wenn du nicht mehr in dein Konto kommst
Dann hilft die neue Registrierung. WhatsApp beschreibt, dass du dich mit deiner Telefonnummer neu anmeldest und den sechsstelligen Code eingibst, den du per SMS oder Anruf bekommst. Danach werden alle Geräte, die bei deinem Konto angemeldet sind, automatisch abgemeldet. Fragt die App nach einer PIN, die du nicht kennst, haben die Täter womöglich selbst die Verifizierung in zwei Schritten eingerichtet. WhatsApp rät dann, sieben Tage zu warten und es erneut zu versuchen.
WhatsApp schreibt außerdem, dass eine Passwortänderung niemanden aus deinem Konto entfernt. Die Verifizierung in zwei Schritten schützt ein Konto, auf das du noch Zugriff hast. Versuch zuerst, das Konto zurückzuholen, bevor du es bei WhatsApp meldest. Laut WhatsApp kann eine Meldung dazu führen, dass das Konto gesperrt wird und du deine Daten verlierst.
Was die Quellen gemeinsam sagen und wo sie sich ergänzen
Wir haben die Warnung der ProPK, den Bericht von Watchlist Internet und die Hilfeseiten von WhatsApp zu verknüpften Geräten und zur Wiederherstellung am 3. Oktober 2026 nebeneinandergelegt. In zwei Punkten stimmen alle überein: Codes gibst du niemandem weiter, und deine Kontakte musst du selbst warnen. Bei den Abhilfen ergänzen sie sich.
- Erste Maßnahme. Die Polizei nennt als erste Maßnahme, verknüpfte Geräte zu prüfen und unbekannte abzumelden. Das wirkt, solange du dein Konto noch selbst bedienen kannst.
- Wiederherstellung und Anzeige. Die Watchlist Internet verweist auf die Anleitung von WhatsApp zur Wiederherstellung und rät zur Anzeige.
- Vollständige Übernahme. WhatsApp schreibt, dass eine Passwortänderung niemanden aus deinem Konto entfernt. Nach der neuen Registrierung mit dem SMS-Code werden alle anderen Geräte abgemeldet.
- Zahl der Betroffenen. Keine der Quellen nennt eine Zahl. Wir nennen deshalb auch keine.
Ein Kontakt bittet dich um Geld
Ruf die Person unter der Nummer an, die du schon kennst, und überweise nichts, bevor du sie gesprochen hast. Das rät die Polizei. Die Geldbitte ist der zweite Teil der Masche. Watchlist Internet dokumentiert eine Nachricht aus einem gekaperten Konto: „Hallo, könntest du mir 670 Euro leihen?Ich muss dringend zum Zahnarzt und habe Probleme mit meiner Karte. Ich gebe sie dir heute Abend zurück.“ Gezahlt werden sollte per Schnellüberweisung auf das angebliche Konto des Zahnarztes.
Ein Anruf ist hier besser als eine Rückfrage im Chat. Im Chat antworten die Täter, am Telefon meldet sich der Mensch, dem die Nummer gehört. Watchlist Internet merkt an, dass sich eine Zahnarztrechnung üblicherweise auch einige Tage später begleichen lässt. Eine Zahlung vor Ort sei mehr als unüblich. Ist das Geld per Überweisung unterwegs, ist es laut Watchlist praktisch weg.
Bevor du eine IBAN aus einem Chat bedienst, gleich sie im IBAN-Check mit gemeldeten Betrugsfällen ab. Ein Treffer ist ein klares Stoppsignal. Kein Treffer heißt nur, dass uns dieses Konto noch nicht gemeldet wurde. Den Anruf bei deinem Kontakt ersetzt die Prüfung nicht. Hast du schon überwiesen, findest du die nächsten Schritte unter Geld überwiesen.
Was die Masche mit dem Enkeltrick und „Hallo Mama“ verbindet
Das Muster ist dasselbe: Jemand gibt sich als vertraute Person aus und bittet dringend um Geld. Die Verbraucherzentrale schreibt: „Der Enkeltrick ist zum Tochtertrick oder Sohntrick geworden“. Bei „Hallo Mama“ melden sich Unbekannte von einer neuen Nummer und behaupten, ein Kind zu sein, das sein Handy verloren hat.
Solche Meldungen sind laut Verbraucherzentrale inzwischen selten geworden (Stand Juli 2026), was nicht heiße, dass es sie nicht mehr gebe. Die Abstimmungsmasche schließt eine Lücke, die „Hallo Mama“ hatte: Die Geldbitte kommt jetzt aus dem Konto eines echten Kontakts statt von einer fremden Nummer. Der Rat bleibt gleich. Sprich mit der Person auf dem Weg, den du schon kanntest, bevor du zahlst.



