Ein bekannter Markenname, 65 Prozent Rabatt, eine Adresse mit der Endung .shop: So sehen derzeit sehr viele gefälschte Onlineshops aus. Das deutsche Sicherheitsunternehmen nebty hat im September 2026 rund 119.000 Domains einem einzigen Netzwerk gleich gebauter Shops zugeordnet. Parallel warnt die Verbraucherzentrale Bayern vor Trachtenshops, die zum Oktoberfest nach demselben Prinzip auftauchen.
Was über das Netzwerk DoppelCart bekannt ist
Am 7. September 2026 hat nebty, ein Anbieter für Markenschutz, einen Bericht über ein Netzwerk kopierter Onlineshops veröffentlicht und ihm den Namen DoppelCart gegeben. Der Bericht beschreibt nach eigener Angabe den Export vom 5. September 2026 mit Seitenaufnahmen bis zum 4. September.Darin stuft nebty 118.996 unterschiedliche Domains als zugehörig ein, davon 118.787 mit der Endung .shop. Gemessen an 4.361.908 untersuchten .shop-Domains sind das 2,72 Prozent, also etwa jede 37. Domain.
Die Shops übernehmen laut Bericht Produktnamen, Beschreibungen und Bilder der echten Anbieter. In einem untersuchten Fall waren die Beschreibungen wortgleich kopiert, in einem anderen lud die Seite ihre Grafiken direkt vom Bildserver der betroffenen Marke. Dazu kommen beworbene Rabatte von 65 Prozent. Manche Shops nennen die echte Kundendienstadresse der kopierten Marke. Wer keine Ware bekommt, beschwert sich dann bei einem Unternehmen, das die Bestellung nie gesehen hat.
Weitere Angaben stammen aus dem Fachmedium BleepingComputer, das sich auf nebty und dessen Geschäftsführer beruft. Danach waren zuletzt mehr als 105.000 der Shops erreichbar, kopiert wurden 44.182 Marken, im Mittel mit zwei Klonen je Marke. 96 Prozent der bestätigten Shops teilen sich dieselben Programmdateien.Beim Test mehrerer Bezahlseiten fand nebty danach Code, der Kartennummer, Ablaufdatum, Prüfziffer und Kontaktdaten erfasst. Jedes Feld wird laut BleepingComputer in Echtzeit an einen Server der Täter übertragen. Auch der Bestätigungscode der Bank lässt sich so weiterleiten. Wir haben diesen Code nicht selbst untersucht.
Was unsere eigene Liste zeigt
Die Zahl von nebty lässt sich von außen nicht nachrechnen. Wir haben deshalb in unserem eigenen Bestand gezählt.Am 3. Oktober 2026 um 10:51 Uhr UTC haben wir die 200 zuletzt geprüften Einträge der öffentlichen Fakeshop-Liste abgerufen (Prüfdatum 25. September bis 3. Oktober 2026). 164 stammen aus einem Datenfeed, bei 162 davon ist die Watchlist Internet als Quelle hinterlegt. 36 hat eine automatische Regel unserer Prüfung bestätigt.Von Hand geprüft sind diese Einträge nicht.
- Zwei Sorten von .shop-Namen. Von den 54 Einträgen mit .shop aus dem Feed bestehen 44 aus einer Buchstabenfolge ohne erkennbares Wort, vier bis acht Zeichen lang. Diese Zuordnung haben wir von Hand getroffen. Die 35 Einträge mit .shop aus der automatischen Regel sehen anders aus: ein Marken- oder Geschäftsname, häufig mit einem angehängten Zusatz. Ausgezählt haben wir die Zusätze in einem zweiten Abruf um 19:22 Uhr UTC: 11 der 36 Regel-Einträge trugen „store“, „official“ oder „hq“, siehe Gefälschte Marken-Outlets.
- Spur eines Baukastens. Bei 34 dieser 35 Shops liegt das Seitensymbol in derselben Ordnerstruktur, und der Dateiname trägt häufig noch den Namen der kopierten Marke. Das passt zu der Beschreibung von nebty. Ob die Shops zu DoppelCart gehören, haben wir nicht geprüft.
- Alter der Domains. Für 87 Domains mit .com und anderen Endungen haben wir das Registrierungsdatum über die öffentliche Auskunft RDAP abgefragt. 74 davon wurden 2026 registriert. 13 waren am Stichtag höchstens 30 Tage alt, 31 höchstens 90 Tage, 66 höchstens 180 Tage. Der Median liegt bei 121 Tagen. Acht Domains waren älter als ein Jahr.
Die Zählung hat Grenzen. Sie gilt für unseren Bestand. Für alle Fakeshops sagt sie nichts. Der Bestand hängt davon ab, was die Watchlist Internet meldet und was unsere Prüfung in diesen Tagen bearbeitet hat. Die Schnittstelle liefert höchstens 200 Einträge, ein längerer Zeitraum war so nicht auswertbar.Für .shop brach die Registrierungsstelle unsere Altersabfrage nach wenigen Antworten mit einem Mengenlimit ab, für .de und .at steht dieser Weg nicht zur Verfügung. Die Altersangaben gelten deshalb nur für die 87 genannten Domains.
Was die Endung .shop über einen Shop aussagt
Die Endung sagt wenig über einen Shop. Registrieren kann sie jeder. Nach der Rechnung von nebty gehören 2,72 Prozent der untersuchten .shop-Domains zu DoppelCart. Gut 97 Prozent wurden diesem Netzwerk nicht zugeordnet. Ob sie anderweitig auffällig sind, sagt die Zahl nicht.
Umgekehrt schützt eine vertraute Endung nicht. In unserer Auswertung enden 79 der 200 bestätigten Fakeshops auf .com und 20 auf .de. Für Netzwerke zählt, dass sich viele Adressen in kurzer Zeit anlegen lassen. Welche Endung das gerade erlaubt, kann sich ändern.
Woran du einen geklonten Shop erkennst
Ein Klon sieht aus wie das Original, weil er aus dessen Material besteht. Die Unterschiede liegen in der Adresse, im Alter und in den Angaben zum Betreiber. Einzeln beweist keines dieser Merkmale Betrug.
- Markenname plus Zusatzwort. Die Adresse lautet etwa marke-official.example oder markestore.example. Mimikama, das über den Bericht von nebty schrieb, nennt „official“ und „store“ als typische Zusätze. Such die Marke selbst in der Suchmaschine und vergleiche die Adresse mit dem Shop, den der Hersteller auf seiner eigenen Seite verlinkt.
- Domain erst wenige Wochen alt. Die Watchlist Internet wertet ein junges Registrierungsdatum als Hinweis, weil Betreiber nach einer Abschaltung neue Adressen anmelden. Das Domain-Alter findest du über eine WHOIS-Abfrage oder in unserer Shop-Prüfung. Eine Marke, die es seit Jahren gibt, verkauft selten über eine Adresse aus dem letzten Monat.
- Dieselben Texte an vielen Stellen. Kopiere einen auffälligen Satz aus der Produktbeschreibung in die Suchmaschine. Steht er wortgleich im Shop des Herstellers und in weiteren Shops mit ähnlichen Adressen, hast du es mit Kopien zu tun.
- Hoher Rabatt auf das ganze Sortiment. nebty nennt 65 Prozent, die Verbraucherzentrale Bayern bei Trachten 60 Prozent mit dem Hinweis „nur noch wenige Stück verfügbar“. Ein einzelnes Angebot kommt bei jedem Händler vor. Ein halbierter Preis auf alles ist ungewöhnlich.
- Impressum fehlt oder gehört jemand anderem. Nach § 5 DDG muss ein Shop Name, Anschrift und eine E-Mail-Adresse nennen. Klone lassen das Impressum weg oder übernehmen die Angaben der echten Marke. Passt die Firma im Impressum nicht zur Adresse des Shops, frag bei der Firma nach, über eine Nummer, die du selbst herausgesucht hast.
- Werbung als einziger Zugang. Du bist über eine Anzeige in einem sozialen Netzwerk gekommen und findest den Shop über die Suche nach der Marke nicht. Das beschreibt die Verbraucherzentrale Bayern als üblichen Weg zu den Trachtenshops.
Die allgemeinen Warnzeichen mit Beispielen stehen auf der Seite Fakeshop erkennen. Wie Fälschungen bekannter Marken vor Rabatttagen auftreten, beschreibt der Artikel Gefälschte Marken-Outlets. Bewertungen helfen bei einem Klon nur begrenzt, weil sie oft zur echten Marke gehören. Worauf du dabei achtest, steht im Artikel Shop-Erfahrungen und Bewertungen prüfen.
Dirndl, Brennholz, Geschenke: das Sortiment folgt dem Kalender
Shops aus dem Baukasten lassen sich schnell auf ein neues Sortiment umstellen. Die Verbraucherzentrale Bayern warnte am 7. September 2026 vor Fakeshops und vermeintlichen Trachten-Manufakturen rund um das Oktoberfest. Die Shops erzählen von Familienbetrieb und Handarbeit in einem bayerischen Ort.Die Ware kommt nach Angaben der Verbraucherzentrale aus China oder gar nicht, und wer widerruft, soll das Dirndl dorthin zurückschicken. Simone Bueb von der Verbraucherzentrale Bayern sagt dazu: „Betrüger gestalten Online-Shops heute so professionell, dass auf den ersten Blick kaum ein Unterschied erkennbar ist.“
Die Polizeiliche Kriminalprävention beschreibt dasselbe Muster über das Jahr: Es habe sich wiederholt gezeigt, dass Betrüger „auf aktuelle Trends zeitnah reagieren und passende Anzeigen oder fingierte Shops aufsetzen“.Im Herbst sind das Brennstoffe, dazu gibt es den Artikel Fakeshops für Brennholz, Pellets und Heizöl. Vor Weihnachten folgen Spielzeug und Elektronik, siehe Weihnachtsgeschenke und Fakeshops.
Vor dem Kauf und nach der Eingabe von Kartendaten
- Geh über die Marke zum Shop.
Tipp den Markennamen selbst in die Suche oder die Adresszeile ein und folge keinem Link aus einer Anzeige. So landest du beim Shop des Herstellers oder bei einem Händler, den er nennt.
- Prüf die Adresse, bevor du etwas eintippst.
Gib die Domain in die Shop-Prüfung ein. Du siehst, wie alt sie ist, ob das Impressum zu einer eingetragenen Firma passt und ob die Adresse auf einer Warnliste steht. Der Browser-Schutz zeigt dir einen Hinweis, wenn du eine gelistete Seite öffnest.
- Kartendaten eingegeben: ruf die Bank an.
Laut BleepingComputer wird jedes Feld des Bezahlformulars in Echtzeit an einen Server der Täter übertragen. Lass die Karte sperren und sag der Bank, falls du einen Bestätigungscode eingegeben hast. Zur Rückbuchung siehe Kreditkarte und Chargeback.
- Sichere die Belege.
Bildschirmfotos von Shop, Angebot und Bestellübersicht, dazu E-Mails und den Kontoauszug. Wie das geht, steht unter Beweissicherung.
- Melde den Shop und erstatte Anzeige.
Die Online-Wache deines Bundeslandes findest du unter Meldestellen. Uns kannst du die Adresse über Shop melden schicken, dann prüfen wir sie für die Liste.
Drei Prüfpunkte vor dem Kauf
Schau vor dem Kauf auf das Alter der Domain, auf den Zusatz neben dem Markennamen und auf das Impressum. Die Endung .shop kommt bei solchen Netzwerken häufig vor und sagt für sich genommen wenig. Bleiben Zweifel, kauf beim Hersteller oder bei einem Händler, den du kennst.



