Bevor jemand bei einem unbekannten Shop bestellt, sucht er oft nach dem Shopnamen und einem Wort wie „Erfahrungen“, „seriös“ oder „Fake“. Das sehen wir an unseren eigenen Zahlen. Bewertungen helfen bei dieser Entscheidung, aber nur, wenn du weißt, wo sie herkommen und wie sie zustande kommen.
Was unsere Suchdaten zeigen
Die Google Search Console zeigt uns, mit welchen Suchanfragen Menschen auf fakeshop.ai kommen. Vom 3. bis 16. August 2026 enthielten 248 der 500 Suchanfragen mit den meisten Einblendungen eines der Wörter „erfahrung“, „seriös“, „fake“, „betrug“ oder „bewertung“. In 231 dieser 248 Anfragen stand zusätzlich ein Shopname. Diese Anfragen kamen auf rund zwei Drittel aller Einblendungen in dieser Auswahl.
Die Frage nach Erfahrungen ist also der häufigste Weg, auf dem Menschen einen Shop prüfen. Dieser Artikel zeigt, wie du die Antworten auf diese Frage einordnest.
Wo du Erfahrungen findest
Bewertungen auf der Shop-Seite selbst stehen unter der Kontrolle des Betreibers. Sie können ausgewählt oder gefälscht sein. Die Verbraucherzentrale schreibt, dass viele Fakeshops Bewertungen fälschen oder ganz weglassen. Die Polizeiliche Kriminalprävention rät deshalb, unabhängige Plattformen wie Trustpilot oder die Watchlist Internet zu nutzen. Das Polizeipräsidium Niederbayern empfiehlt, im Internet gezielt nach negativen Erfahrungen anderer Kunden und in Foren zu suchen.
- Suchmaschine. Gib den Shopnamen zusammen mit „Erfahrungen“, „Betrug“ oder „Fake“ ein. Such dabei zusätzlich zum Markennamen nach dem Namen der Domain.
- Bewertungsplattformen. Achte darauf, dass sich die Bewertungen auf dieselbe Domain beziehen wie der Shop, den du vor dir hast.
- Warnlisten. Watchlist Internet führt eine laufend aktualisierte Liste betrügerischer Online-Shops. Unsere eigene Warnliste zeigt Domains, die wir als Gefahr einstufen, mit der Quelle der Einstufung.
- Prüfwerkzeuge. Der Fakeshop-Finder der Verbraucherzentrale und unsere Shop-Prüfung werten die Seite selbst aus. Die Shop-Prüfung zeigt zu jedem geprüften Merkmal, was gefunden wurde und warum es zählt.
Gleicher Name, andere Domain
Ein häufiger Fehler ist, Bewertungen einer echten Firma auf einen Fakeshop zu übertragen. Fakeshops übernehmen Namen und Firmendaten existierender Unternehmen. Das Polizeipräsidium Niederbayern beschreibt einen Fall, in dem das Unternehmensprofil einer bestehenden Firma für eine Fakeseite verwendet wurde. Wer dann nach dem Firmennamen sucht, findet gute Bewertungen, die zu einem anderen Angebot gehören.
Ein fiktives Beispiel: Eine echte Firma „Holzhandel Muster GmbH“ verkauft seit Jahren unter holzhandel-muster.example und hat dort viele Bewertungen. Ein Fakeshop unter holzhandel-muster-shop.example kopiert Logo und Impressum. Die Suche nach „Holzhandel Muster Erfahrungen“ liefert die guten Bewertungen der echten Firma. Erst die Suche nach der genauen Domain zeigt, dass es zu holzhandel-muster-shop.example keine Erfahrungen gibt.
Wie Betrüger echte Handelsregisterdaten verwenden, erklärt der Artikel Echte HRB-Nummer, falscher Shop.
Woran du gekaufte oder gefälschte Bewertungen erkennst
Das Bundeskartellamt stellte in seiner Sektoruntersuchung zu Nutzerbewertungen 2020 fest, dass gefälschte Bewertungen ein weit verbreitetes Phänomen sind. Die meisten Portale nutzten damals nur Wortfilter oder verließen sich auf nachträgliche Meldungen. Die Verbraucherzentrale nennt diese Warnzeichen:
- Viele positive Bewertungen in kurzer Zeit. Ein Shop, der wochenlang keine Bewertung hatte, bekommt plötzlich Dutzende.
- Wiederkehrende Formulierungen. Gleiche Textbausteine oder sehr ähnlicher Satzbau in mehreren Bewertungen.
- Allgemeine Texte ohne Erfahrung. Glatte Sprache ohne persönliche Details, übertriebenes Lob, das wie Werbung klingt, keine Kritikpunkte.
- Nur fünf Sterne. Die bewertende Person vergibt ausschließlich Bestnoten.
- Auch verifizierte Käufe. Laut Verbraucherzentrale können auch als „verifizierter Kauf“ markierte Bewertungen gekauft oder manipuliert sein.
Die Verbraucherzentrale beschreibt auch, wie Anbieter Bewertungen beeinflussen: gekaufte Bewertungen von Personen, die das Produkt nie hatten, gesponserte Bewertungen gegen Geld, Gratisprodukte oder Gutscheine, und Druck auf Kunden, negative Bewertungen zu löschen. Mit KI ist es nach ihrer Einschätzung noch einfacher geworden, in kurzer Zeit viele gefälschte Bewertungen zu veröffentlichen.
Was das Gesetz von Shops verlangt
Seit der Reform des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) gelten feste Regeln. Wer Bewertungen von Kunden zugänglich macht, muss nach § 5b Abs. 3 UWG darüber informieren, ob und wie er sicherstellt, dass die Bewertungen von Personen stammen, die die Ware gekauft oder genutzt haben.Der Anhang zum UWG verbietet unter Nr. 23c, gefälschte Bewertungen zu übermitteln oder in Auftrag zu geben. Nach Nr. 23b ist es unzulässig zu behaupten, Bewertungen stammten von echten Käufern, ohne angemessene Maßnahmen zur Überprüfung.
Für dich heißt das: Ein seriöser Shop mit Bewertungen erklärt irgendwo, wie er sie prüft. Fehlt dieser Hinweis, ist das kein Beweis für Betrug. Es ist ein Grund, den Bewertungen auf der Shop-Seite weniger Gewicht zu geben. Das Bundeskartellamt hält Anreize wie Gutscheine für zulässig, solange die Bewertungen klar als solche gekennzeichnet sind.
Bewertungsplattformen und ihre Grenzen
Auch große Plattformen haben mit gefälschten Bewertungen zu tun. Trustpilot gibt in seinem Trust Report 2025 an, im Jahr 2024 rund 4,5 Millionen gefälschte Bewertungen entfernt zu haben, etwa 7 Prozent aller abgegebenen Bewertungen. Das sind Angaben des Unternehmens. Sie zeigen, dass auch auf unabhängigen Plattformen ein Teil der eingereichten Bewertungen gefälscht ist.
Lies deshalb die Verteilung und den Inhalt. Wenige, aber konkrete Bewertungen mit Lieferdatum, Ware und Ablauf sagen mehr als viele kurze Lobeszeilen. Sieh dir besonders die schlechten Bewertungen an. Steht dort mehrfach „nicht geliefert“, „nur Vorkasse“ oder „keine Antwort“, ist das ein deutliches Signal.
Wenn es keine Erfahrungen gibt
Oft liefert die Suche nach einem Shop gar nichts. Das hat zwei mögliche Gründe. Der Shop ist klein und wenig bekannt, oder er ist neu. Watchlist Internet beschreibt, dass die Betreiber nach einer Abschaltung neue Shops eröffnen und neue Adressen registrieren. Ein neuer Fakeshop hat deshalb noch keine Erfahrungsberichte und steht auf keiner Liste.
Ein leeres Suchergebnis ist in diesem Fall kein Urteil, weder für noch gegen den Shop. Dann helfen die Merkmale der Seite selbst: Domain-Alter, Impressum, Zahlungsarten, Gütesiegel. Hier setzt die Shop-Prüfung an. Sie liefert eine Einschätzung auch für Shops, über die noch niemand geschrieben hat, und nennt dazu die Gründe. Wie du ein Gütesiegel beim Aussteller nachprüfst, steht im Artikel Gefälschte Gütesiegel.
Reihenfolge für die Prüfung
- Domain notieren.
Schreib dir die genaue Adresse aus der Adresszeile auf, mit Endung.
- Warnlisten prüfen.
Sieh in unserer Warnliste und bei Watchlist Internet nach.
- Erfahrungen zur Domain suchen.
Such nach der Domain mit „Erfahrungen“ und „Betrug“. Prüfe, ob gefundene Bewertungen zu dieser Domain gehören.
- Bewertungen lesen.
Achte auf die Warnzeichen oben und lies die schlechten Bewertungen zuerst.
- Seite prüfen.
Gib die Adresse in die Shop-Prüfung ein oder geh die Merkmale unter Fakeshop erkennen selbst durch.
- Sicher bezahlen.
Bleibt ein Zweifel, wähle eine Zahlart mit Rückbuchung oder Kauf auf Rechnung. Die Fristen je Zahlart stehen unter Geld zurück.
Weitere Merkmale eines vertrauenswürdigen Shops findest du im Artikel Seriöse Online-Shops erkennen.



